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„Erste Walpurgisnacht“ ließ keine Wünsche offen

15. Juni 2017

_DSC_3421_totaleDie Kritikerin der „Amberger Zeitung“, Marielouise Scharf, schreibt in ihrem Konzertbericht (AZ vom 15.05.2017) zum Auftritt der Amberger Chorgemeinschaft im ACC:

„Was die Amberger Chorgemeinschaft, der Chor der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg, drei Solisten und das Sinfonieorchester Bohemia Prag unter Leitung von Dieter Müller zu Gehör bringen, das spricht nicht nur das Herz an, das ist gleichzeitig ein Hochgenuss für Ohr und Auge.

Wolken-Wellen-und-Wald-Fotografien sowie Szenen romantischer Maler, die der Arbeitskreis Fotografie der VHS Amberg beisteuert, illustrieren auf großer Leinwand die Kompositionen. Für sein ambitioniertes Unternehmen hat sich Maestro Müller seiner beiden groß besetzten Chöre (Amberger Chorgemeinschaft, Chor der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg) sowie des vorzüglich aufspielenden Sinfonieorchester Bohemia Prag versichert, mit denen sich harmonischer Reichtum sowie satte Klangpracht in den romantischen Werken mitreißend realisieren lassen.

Dynamische Riesenbögen

Eröffnet wird der Abend mit der Ouvertüre für Orchester op 20 „Die Waldnymphe“ von William Sterndale Bennett. Ein guter Einstieg, der noch nicht die volle Dramatik romantischer Tondichtung vorweg nimmt, aber den Weg hin zum gewaltigen Höhepunkt der Walpurgisnacht bestens bereitet. Es folgen Robert Schumanns „Nachtlied“ und das „Schicksalslied“ von Johannes Brahms, ein Paradebeispiel für die Klangpoesie des Komponisten. Müller lässt den Chor in dynamisch fein differenzierten Riesenbögen schwelgen. Für die wie immer wohlpräparierten Chöre Gelegenheit, Homogenität, flüssige Kantabilität und ausbalancierte Klangästhetik eindrücklich unter Beweis zu stellen.

Nach der Pause wieder Einzug der Akteure, (fast) alle wie aus einem Guss in edlem Frack und modischem Abendkleid. Sehr festlich, sehr eindrucksvoll anzuschauen! Und wie aus einem Guss wirkt auch Mendelssohns „Erste Walpurgisnacht“, die Vertonung von Goethes frech antiklerikaler Ballade. Alle Interpreten wissen die Stimmungswechsel mit entsprechenden Klangfarben zu untermalen. Die Solisten: Adelheid Lang (Alt) aus Nürnberg, André Khamasmie (Tenor) aus Leipzig und Daniel Blumenschein (Bass-Bariton) aus Leipzig liefern einen engagierten und dramatisch spannenden Beitrag.

Allen voran der Bassbariton Daniel Blumenschein. Mit schillernder Präsenz schlüpft er in die Rolle des Druidenpriesters und sorgt dafür, dass die „dumpfen Pfaffenchristen“ ihr Fett wegbekommen. Richtig gruselig steigt der plastisch deklamierende Chor ein, um den Widersachern mit „Zacken, Gabeln und Klapperstöcken“ einen furchterregenden Hexensabbat vorzutäuschen. Aus der Dunkelheit lenken Dichtung wie Komposition hinauf zum Licht mit dem wunderbar intensiv gestalteten, gleichsam von innen heraus leuchtenden Finale.

In Höchstform

Die jugendlich-frische Farbe des Chores und der temperamentvolle Ausdruckswille der Sänger passen perfekt zur romantischen Grundstimmung des ganzen Programms. Alle präsentieren sich in Höchstform und singen sehr ausgewogen. Auch das Orchester verrät schon in der Ouvertüre der „Walpurgisnacht“ die Dramatik des Werkes und lenkt mit Leichtigkeit und Klarheit in die atmosphärische Dichte der Hexennacht.

Es ist wunderbar, wie farbenfroh und effektvoll Mendelssohn diese von Goethe erdachte Szenerie musikalisch auskostet. Er schafft grandiose Musik, beschwingt, anrührend, erhaben. Und Dieter Müller gelingt das Meisterstück, alle Sänger und Musiker auf diese Stimmung einzuschwören. Sein spannendes, licht- und farbreiches Interpretations-Feuerwerk erweckt Gefühle, macht Sinn und bereitet Freude beim Zuhören. Minutenlanger Applaus!“

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