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Porträt des Chors zum 30-jährigen Jubiläum

Begeisterungsfähiger Klangkörper

Amberger Chorgemeinschaft pflegt seit 30 Jahren hohen gesanglichen Anspruch – Knapp 50 Sänger

Amberg. Wenn Dieter Müller am Muttertag im Congress Centrum zum Taktstock greift, dann ist das kein Konzert wie jedes andere. Die Amberger Chorgemeinschaft feiert sich mit diesem Auftritt selbst. Seit 30 Jahren besteht das von Berthold Höps gegründete und von Dieter Müller vor drei Jahren übernommene Ensemble. Und es ist sich in den zurückliegenden drei Jahrzehnten im Anspruch an Stimmausbildung, Programmauswahl, Textverständlichkeit und Interpretationsniveau immer treu geblieben.

Nach seinem Studium an der Musikhochschule in München und dem Besuch der Meisterklasse im Fach Orgel bei Karl Richter zu Ende der 70er Jahre wollte Berthold Höps als sehr aktiver, begeisterter und begeisternder Künstler die Amberger Kulturszene beleben. Er organisierte und leitete zunächst mehrtägige Konzertreihen in der Fastenzeit – zum Teil mit Instrumental-Ensembles und Sängern, die zu dem jeweiligen Projekt zusammenkamen. Der Erfolg dieser Konzerte ermutigte ihn dazu, einen festen Chor zu gründen.

Der Start des neuen Ensembles, das zunächst in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule erfolgte, verlief erfolgversprechend. Im Januar 1980 trafen sich dann die Sänger der Amberger Chorgemeinschaft zu ihrer ersten Probe unter Berthold Höps. Und schon an Ostern folgte der erste Auftritt.

Das Chorkonzert im Juli mit „Liebesliedern aus drei Epochen“ sorgte in der Lokalpresse unter der Überschrift „Neue Töne im Amberger Chorwesen“ gleich für Aufsehen. Damals schrieb der Kritiker: „Die schon jetzt erkennbaren Vorzüge des Chores liegen nicht nur in der sauberen Darstellung und der guten Textverständlichkeit, sondern auch im hörbar stimmveredelnden Tun bei der Probenarbeit.“ Ein hoher Anspruch, dem die Gemeinschaft in den folgenden Jahren weitere bestens gemeisterte Herausforderungen folgen ließ.

Zur Tradition wurden die großen Oratorien bei Konzerten in der Fastenzeit. Bei regelmäßigen Auftritten mit den Hofer Symphonikern, dem Forchheimer Kammerorchester und dem Prager Symphonieorchester Bohemia wurden unter anderem „Requiem“ und „Krönungsmesse“ von Mozart, Haydns „Schöpfung“, das „Brahms-Requiem“, Matthäus- und Johannespassion und als besondere Herausforderung zwei Mal die „h-Moll-Messe“ aufgeführt.

Vielfältige Auftritte

Als Aufführungsort für die großen Konzerte ist der Chorgemeinschaft die Pfarrkirche in St. Konrad in Ammersricht mit ihrer idealen Akustik zur Heimat geworden. Daneben hat sich der Chor mit regelmäßigen A-cappella-Konzerten etabliert. Die Abendmusik in der Silvesternacht in der Erlöserkirche hat ein treues Stammpublikum gefunden und in unregelmäßigen Abständen werden im Juli Nachtkonzerte aufgeführt. Und natürlich im vergangenen Jahr die Carmina-Burana-Aufführung zum Stadtjubiläum am Marktplatz.

Es gab viel Lob, Anerkennung – und 1994 sogar den Musikförderpreis der Oberpfalz als äußeres Zeichen. Wiederholt machte der Bayerische Rundfunk Aufnahmen mit dem Chor. Nach 27 Jahren „voll anregender Probenarbeit und bewegender, beglückender Konzerte“ zog sich im Jahre 2007 der Gründungs-Chorleiter Berthold Höps zurück.

Der Übergang verlief geräuschlos. Höps selbst empfahl als seinen Nachfolger Dieter Müller, der am Meistersingerkonservatorium in Nürnberg die Fächer Dirigieren und Flöte studiert hat. Durch die Teilnahme an internationalen Workshops und Meisterkursen für Dirigieren vertiefte und erweiterte er sein künstlerisches und pädagogisches Profil als Dirigent. Im Hauptberuf ist Müller Lehrer für Musikpraxis und Theorie an der Berufsfachschule für Musik des Bezirks Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg.

Lebendiges Musizieren

Über seine Arbeit sagt er, es sei ihm vor allem wichtig, „Musik in ihrer Gesamtheit zu begreifen und zu praktizieren“. Er will in seiner Arbeit mit dem Chor „die differenzierten Gestaltungsmöglichkeiten eines lebendigen Ensemblemusizierens entdecken“ und dabei bewirken, dass „die Aktionen des Körpers in eine einfühlsame musikalische Darstellung umgesetzt werden können“.

Müllers erklärtes Anliegen ist es, mit dem knapp 50 Stimmen zählenden Chor zeitgenössische und klassische Musik zu pflegen. „Der Chor hat beim Wechsel der Leiter sehr genau hingeschaut – und wie man sieht, hat es uns gefallen“, charakterisiert Peter Ringeisen das Arbeiten mit Müller. „Es herrscht eine unglaubliche Intensität zwischen Chor und Chorleiter“, freut sich Müller über die gute Zusammenarbeit. Hierzu fällt ihm der Satz ein „Ein Orchester macht’s mit jedem, ein Chor aber nicht“. Müller weiß um den schmerzhaften Schnitt für das Ensemble nach dem Weggang von Höps – und fühlt sich doch schon als Teil eines menschlich gewachsenen und künstlerisch-musikalisch geformten Ganzen.

Müller wird die Höps’sche Tradition fortsetzen und mit zeitgenössischen Werken im Repertoire neue Akzente setzen. „Das ist mein Stempel“, so der Dirigent.

Robert Stammler in der Amberger Zeitung, 07. Mai 2010

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