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Ankündigung: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ (21. Okt. 2018)

„Was Gott tut, das ist wohlgetan“

Unter diesem Motto veranstaltet die Amberger Chorgemeinschaft unter der Leitung von Dieter Müller, ein Chor- und Orgelkonzert mit Werken barocker und romantischer Komponisten. Das etwa einstündige Konzert findet am Sonntag, den 21. Oktober 2018, um 17 Uhr in der Kirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ statt. Der Eintritt ist frei.

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Ein ausgewogenes Programm mit Chor- und Orgelwerken wird dem interessierten Zuhörer erwarten. Christian Farnbauer, der musikalische „Hausherr“ wird das Konzert mit „Präludium, Fuge und Ciacona in C-Dur“ für Orgel, von Dietrich Buxtehude eröffnen. Ein abwechslungsreiches Orgelwerk, in dem der Komponist mit einer ungezügelten Freiheit der Form umgeht. In seinen Orgelwerken weist der Lübecker Meister auf den großen Bach voraus, und Johann Sebastian Bach war es dann auch, der 1705 die 300 km nach Lübeck zu Fuß zurücklegte, um sein musikalisches Vorbild zu hören und Unterricht bei ihm zu nehmen. Der Aufenthalt in Lübeck bedeutete für Bach so viel, dass er diesen „Bildungsurlaub“ eigenmächtig erheblich verlängerte und dadurch seine Anstellung in Arnstadt riskierte.

Die Amberger Chorgemeinschaft wird, zusammen mit dem Streicher-Ensemble des Sinfonieorchesters der Berufsfachschule für Musik, zwei Kantaten für gemischten Chor und Instrumente, zur Aufführung bringen. Von Dietrich Buxtehude die Kantate „Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken“, bei der auch zwei Strophen des Kirchenliedes „Aus meines Herzens Grunde“ verwendet werden und von Johann Pachelbel die sechsstrophige Choralkantate „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Pachelbels Vokal- und Orgelwerk gilt ebenfalls als großes Vorbild für den jungen Bach.

Im Mittelpunkt des geistlichen Konzertes stehen Chorwerke aus dem 19. Jahrhundert. Neben zwei Hymnen „Tribulationes“ und „Dextera Domini“ von Josef Rheinberger, wird das großartige „Pater noster“ aus dem Oratorium „Christus“ von Franz Liszt, sowie das innige und allseits beliebte „Locus iste“ von Anton Bruckner zu hören sein.

Als Orgelwerk des romantischen Klassizismus erklingt von Felix Mendelssohn-Bartholdy, aus dem Zyklus „Sechs Orgelsonaten“ op. 65, die Sonate Nr. 6 in d-Moll. Die Orgelmusik Mendelssohns deutete in seiner Zeit nicht in die Zukunft, sondern blickt zurück auf die großartige Vergangenheit deutscher Meister, insbesondere auf das Werk J. S. Bachs. Die Sonate Nr. 6 in d-Moll (1845) veranschaulicht Mendelssohns meisterliche Beherrschung dieses Genres. Auf den einleitenden Choral „Vater unserer im Himmelreich“ folgen vier Variationen von steigender Brillanz, ehe der Choral erneut erklingt. Die Sonate endet mit einer ausgedehnten Fuge und dem Finale in D-Dur. Mit diesem Werk belebte Mendelssohn die damals schon fast vergessene europäische Orgeltradition wieder.

Dieter Müller

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Seelenschmerz, mit Wucht interpretiert

Besprechung des Konzerts am 18.03.2018 in der Amberger Zeitung.

Beeindruckend, wie schnell man sich bei diesem Passionskonzert wie bei einem beglückenden Gottesdienst fühlt. Nicht nur wegen des Spielorts, der Poppenrichter Kirche St. Michael.

Von Marielouise Scharf

Poppenricht. Auch nicht allein wegen der Auswahl der Stücke. Schon eher wegen der engagierten und innigen Darbietung – ohne Zwischenapplaus – ein Konzert wie eine Meditation. Unter dem mit einem violetten Tuch verhüllten Kruzifix bauen sich – ganz in Schwarz gekleidet – die Sängerinnen und Sänger der Amberger Chorgemeinschaft auf. Davor das beeindruckend große Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik (Konzertmeister: Thomas Kaes). Mit ruhiger, aber zwingender Hand führt der musikalische Leiter Dieter Müller beide zu einem großen Ganzen zusammen.

Klage über Vergänglichkeit

Mit dumpfen Pauken, feinem Orgelspiel und festlichen Bläserklängen beginnt das Konzert mit der „Funeral Music of Queen Mary“ des englischen Komponisten Henry Purcell. Ein Schauer überrieselt geradezu Ohren und Körper. Der Chorklang (Einstudierung: Christian Farnbauer) ist von Anfang an wunderbar dicht, die Blechinstrumente klingen noch etwas kratzig, was eventuell den frostigen Außentemperaturen geschuldet ist. Die Komposition entstand anlässlich des Todes von Königin Mary II. von England 1695. Sie ist eine Klage über die Vergänglichkeit allen menschlichen Lebens und gleichzeitig eine Parole der Hoffnung, dass Gott die Bitten der Menschen erhören möge.

Melodisch expressiv und voll fein ausbalancierter Harmonie dann der Vortrag des „Stabat Mater“ in g-Moll op. 138 für Chor und Streichorchester von Josef Gabriel Rheinberger. Fünf fein ziselierte Sätze, warm und weich mit zartem Geigenstrich und voll dumpfer Trauer. Das ohne Flöten und Trompeten besetzte Orchester verleiht dem Werk seine durchaus charakteristische Klangfärbung. Wirklich gelungen, den Seelenschmerz so mit Wucht hörbar zu machen.

Saubere Intonation

Bis zum Schluss mit dem Gebetsgesang „Verleih uns Frieden“ von Felix Mendelssohn Bartholdy bleiben Chor und Orchester bestens aufeinander abgestimmt. Saubere Intonation und exakt auf den Punkt gebracht der Gesang. Dazu die Musiker, die mal dezent, mal dominant auf sich aufmerksam machen.

Den ganz großen Auftritt hatte das Orchester schließlich allerdings mit der Unvollendeten von Franz Schubert. Diese Sinfonie Nr. 7 in h-Moll bietet alles, was Musik spannend macht: Helles und Dunkles, Weiches, Geheimnisvolles, Dramatisches, Beschwingtes, Unheil- und Verheißungsvolles. Auf dieser bunten, musikalischen Spielwiese fühlten sich Musiker und Dirigent sichtbar und vor allem hörbar wohl. Dynamik, Frische, Spritzigkeit, Klangfarbenreichtum, die Lebendigkeit und die typisch Schubert’sche Empfindsamkeit. Kurzum, die Vielschichtigkeit der Komposition kam hier voll zur Geltung.

Von A bis Z

Müller gelang mit dem Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik eine bewegende Interpretation. Der Chef und seine Musiker und Sänger überzeugten von A bis Z, was sich am nicht enden wollenden Schlussapplaus auch ablesen ließ! Ein schöner Konzertabend.

Gut eingestimmt in den Silvesterabend

In ihrer Konzertbesprechung für die Amberger Zeitung vom 03.01.2018 schreibt Marianne Moosburger über die „Abendmusik in der Silvesternacht“ u. a.:

Das Jesaja-Zitat „Tröstet mein Volk“, das Eduard Karl Nössler vertont hatte, sowie Johannes Eccards Interpretation „Übers Gebirge Maria ging“ sprachen von sicherer und Gott getragener Hoffnung auf eine gute Zukunft. Die beiden Flötistinnen, Iwona Simonides und Sarah Simonides, und ein Basso continuo an der Orgel, gespielt von Ute Neger, verstärkten perfekt die entspannte Stimmung mit dem Vivace aus der Triosonate in e-Moll von Johann Joachim Quantz.

_web_AmbergerChorgemeinschaft_DSC_5577Nachdenklicher und gesetzter ertönten lateinisch gesungene musikalische Mediationen zum Geheimnis der Weihnacht. Mit dem „O Magnum Mysterium“ von Tomaso L. da Victoria und Franciscus de Rivulos „Verbum caro factum est“ (Das Wort ist Fleisch geworden) besang die Chorgemeinschaft die wunderbare Inkarnation Gottes vor über 2000 Jahren. Besinnlich auch die darauffolgende Reflektion für Flöte und Orgel von Gabriel Fauré. Jubilierende und tiefgehende Weihnachtsfreude vermittelten Leonhard Schröters „Freut euch, ihr lieben Christen“ und „Ich steh an deiner Krippen hier“ von Johann Sebastian Bach. Passend folgte eine „Berceuse“, ein Wiegenlied von Isaac Albeniz durch Flöten und Orgel. Klar und glaubenssicher bedachten die gut verständlichen Stimmen alttestamentliche Prophetien und Glaubenswahrheiten mit Michael Prätorius‘ „Es ist ein Ros entsprungen“, Hansmaria Dombrowskis „Eja, so seht den Rosenstrauch“ und Karl Riedels „Lasst alle Gott uns loben“.

Mit Johann Pachelbels Kanon für zwei Flöten und Orgel, den Daniel Dorff arrangiert hatte, beeindruckten Iwona und Sarah Simonides sowie Ute Neger wiederum sicher und einfühlsam auf der Empore. Mit „Morgenstern der finstren Nacht“ von Max Jobst, „Der Morgenstern ist aufgedrungen“ von Carl Thiel und Johann Sebastian Bachs „Brich an, o schönes Morgenlicht“ beendete die Chorgemeinschaft überzeugend und zuversichtlich die gute Stunde.
Nächstes Konzert:
Sonntag, 18. März, um 17 Uhr in der St.-Michael-Kirche in Poppenricht
Unter dem Titel „Stabat Mater“ trägt die Chorgemeinschaft mit einem Orchester Werke von Purcell, Schubert, Rheinberger und Mendelsohn-Bartholdy vor.

Bild: P. Ringeisen

 

Ankerplatz für die Seele

acg_IMG_20171119_182243„In Amberg errichten am Sonntag die Amberger Chorgemeinschaft und das Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik dem Reformator ein musikalisches Monument.“

So beginnt Marieluise Scharf ihre Konzertbesprechung in der Amberger Zeitung vom 20.11.2017. In Auszügen folgen weitere Beobachtungen aus ihrer Feder:

Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ ist das rote Band, das den Konzertabend harmonisch zusammen fügt. Die Melodie mit dem fanfarenartigen Beginn geht sofort ins Gedächtnis. Und der bildhafte Text regt die Fantasie an.

Wunderbarer Chorklang

Im prächtigen, gold-funkelnden Kongregationssaal bieten Orchester und Chor in wechselnden Formationen und Stationen und ohne Pause eine „akustische Rauminstallation“, wie im Programm zu lesen steht.

Franz Tunders Choralkonzert für Chor, Streicher und Basso continuo und Telemanns Motette für Chor, Instrumente und Basso continuo vor dem Altar gesungen, hier kommt der Chorklang wunderbar dicht in den Raum. Die Streicher finden schnell und harmonisch zusammen, die Orgel bringt sich wohlstrukturiert in Stellung. Innig und eindringlich gestaltet Solosopranistin Jana Müller ihre Passage. Dem positiven Grundgedanken des „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy am Programmende wird mit starkem Ausdruck der Sänger nochmals Schub verliehen.

Das Konzert ist musikalischer Höhepunkt und Ankerplatz für die Seele. Mit einem Chor, der begeisternd singt. Mit Musikern, die magische Momente zaubern. Mit einem Dirigenten, der die musikalische Architektur einfühlsam interpretiert. Nichts ist schrill oder unharmonisch – eine kleine Auszeit von der Welt, die vom begeisterten Publikum mit langem Beifall bedacht wird.

Ein feste Burg ist unser Gott (Ankündigung)

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Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug.

Während in früheren Jahrhunderten Reformationsjubiläen national und in konfessioneller Abgrenzung begangen wurden, soll das diesjährige Jubiläum von Offenheit, Freiheit und Ökumene geprägt sein. Es geht dabei nicht nur um das Jubiläum 500 Jahre Reformation, sondern es soll auch daran erinnert werden, welche Rolle die Reformation bei der Entstehung der Moderne gespielt hat. Denn das, was von Wittenberg im 16. Jahrhundert ausging, veränderte Deutschland, Europa und die Welt.

In den „Tischreden“ wird Luther zitiert: „Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica. Der Teufel erharret ihrer nicht. Die Noten machen den Text lebendig. Sie verjagt den Geist der Traurigkeit, wie man am Könige Saul siehet.“ Luther war geübter Sänger und Lautenspieler. Als Komponist und Lieddichter hat er die reformatorischen Glaubenssätze zu Musik verdichtet.

Die Amberger Chorgemeinschaft, zusammen mit dem Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik unter der Leitung von Dieter Müller haben ein Programm zusammengestellt, bei dem die Aussagen des Reformators durch die Tonsprache bedeutender Komponisten wie Nicolai, Tunder, Telemann und Mendelssohn-Bartholdy wiedergegeben werden. Gleich einer akustischen „Rauminstallation“ eröffnen Chor und Orchester das themenbezogene Konzert mit der Ouvertüre über den Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Otto Nicolai. Über den gleichen Choral folgen zwei Kompositionen aus der Barockzeit: Franz Tunders Choralkonzert für Chor, Streicher und Basso continuo und Telemanns Motette für Chor, Instrumente und Basso continuo. Als zentrales Werk des Abends wird die Sinfonie Nr.5 d-Moll op. 107 die „Reformations-Sinfonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy durch das große Sinfonieorchester zur Aufführung gelangen. Den Abschluss des Konzertes bildet ein inniges musikalisches Gebet nach Worten Martin Luthers „Verleih uns Frieden gnädiglich“, ebenfalls in einer Vertonung von Mendelssohn-Bartholdy. Robert Schumann urteilte über dieses Stück, welches er am Vorabend des Reformationsfestes von 1839 erstmals zu Gehör bekam: „…eine einzig schöne Composition…“.

Das Konzert findet am Sonntag, 19. November 2017, um 17 Uhr im Kongregationssaal, Malteserplatz 4 statt. Der Eintritt beträgt 18,- € bzw. 14,- € ermäßigt. Kinder bis zum Alter von 14 Jahren haben freien Eintritt. Karten sind im Vorverkauf bei der Tourist-Information, Hallplatz 2 in Amberg, sowie an der Abendkasse erhältlich.

„Erste Walpurgisnacht“ ließ keine Wünsche offen

_DSC_3421_totaleDie Kritikerin der „Amberger Zeitung“, Marielouise Scharf, schreibt in ihrem Konzertbericht (AZ vom 15.05.2017) zum Auftritt der Amberger Chorgemeinschaft im ACC:

„Was die Amberger Chorgemeinschaft, der Chor der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg, drei Solisten und das Sinfonieorchester Bohemia Prag unter Leitung von Dieter Müller zu Gehör bringen, das spricht nicht nur das Herz an, das ist gleichzeitig ein Hochgenuss für Ohr und Auge.

Wolken-Wellen-und-Wald-Fotografien sowie Szenen romantischer Maler, die der Arbeitskreis Fotografie der VHS Amberg beisteuert, illustrieren auf großer Leinwand die Kompositionen. Für sein ambitioniertes Unternehmen hat sich Maestro Müller seiner beiden groß besetzten Chöre (Amberger Chorgemeinschaft, Chor der Berufsfachschule für Musik Sulzbach-Rosenberg) sowie des vorzüglich aufspielenden Sinfonieorchester Bohemia Prag versichert, mit denen sich harmonischer Reichtum sowie satte Klangpracht in den romantischen Werken mitreißend realisieren lassen.

Dynamische Riesenbögen

Eröffnet wird der Abend mit der Ouvertüre für Orchester op 20 „Die Waldnymphe“ von William Sterndale Bennett. Ein guter Einstieg, der noch nicht die volle Dramatik romantischer Tondichtung vorweg nimmt, aber den Weg hin zum gewaltigen Höhepunkt der Walpurgisnacht bestens bereitet. Es folgen Robert Schumanns „Nachtlied“ und das „Schicksalslied“ von Johannes Brahms, ein Paradebeispiel für die Klangpoesie des Komponisten. Müller lässt den Chor in dynamisch fein differenzierten Riesenbögen schwelgen. Für die wie immer wohlpräparierten Chöre Gelegenheit, Homogenität, flüssige Kantabilität und ausbalancierte Klangästhetik eindrücklich unter Beweis zu stellen.

Nach der Pause wieder Einzug der Akteure, (fast) alle wie aus einem Guss in edlem Frack und modischem Abendkleid. Sehr festlich, sehr eindrucksvoll anzuschauen! Und wie aus einem Guss wirkt auch Mendelssohns „Erste Walpurgisnacht“, die Vertonung von Goethes frech antiklerikaler Ballade. Alle Interpreten wissen die Stimmungswechsel mit entsprechenden Klangfarben zu untermalen. Die Solisten: Adelheid Lang (Alt) aus Nürnberg, André Khamasmie (Tenor) aus Leipzig und Daniel Blumenschein (Bass-Bariton) aus Leipzig liefern einen engagierten und dramatisch spannenden Beitrag.

Allen voran der Bassbariton Daniel Blumenschein. Mit schillernder Präsenz schlüpft er in die Rolle des Druidenpriesters und sorgt dafür, dass die „dumpfen Pfaffenchristen“ ihr Fett wegbekommen. Richtig gruselig steigt der plastisch deklamierende Chor ein, um den Widersachern mit „Zacken, Gabeln und Klapperstöcken“ einen furchterregenden Hexensabbat vorzutäuschen. Aus der Dunkelheit lenken Dichtung wie Komposition hinauf zum Licht mit dem wunderbar intensiv gestalteten, gleichsam von innen heraus leuchtenden Finale.

In Höchstform

Die jugendlich-frische Farbe des Chores und der temperamentvolle Ausdruckswille der Sänger passen perfekt zur romantischen Grundstimmung des ganzen Programms. Alle präsentieren sich in Höchstform und singen sehr ausgewogen. Auch das Orchester verrät schon in der Ouvertüre der „Walpurgisnacht“ die Dramatik des Werkes und lenkt mit Leichtigkeit und Klarheit in die atmosphärische Dichte der Hexennacht.

Es ist wunderbar, wie farbenfroh und effektvoll Mendelssohn diese von Goethe erdachte Szenerie musikalisch auskostet. Er schafft grandiose Musik, beschwingt, anrührend, erhaben. Und Dieter Müller gelingt das Meisterstück, alle Sänger und Musiker auf diese Stimmung einzuschwören. Sein spannendes, licht- und farbreiches Interpretations-Feuerwerk erweckt Gefühle, macht Sinn und bereitet Freude beim Zuhören. Minutenlanger Applaus!“

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Ankündigung „Die erste Walpurgisnacht“

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Das romantische Jahrhundert – ein Zeitalter geprägt von politischen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Revolutionen. Sind wir uns in unserer Zeit noch bewusst, dass, noch bevor Beethovens „Neunte Sinfonie“ oder Webers „Freischütz“ uraufgeführt wurden, bereits die ersten Lokomotiven rollten oder die ersten Dampfschiffe die Ozeane kreuzten; dass sich Verkehr, Technik und kapitalistische Wirtschaft, in einer schwindelerregenden Progression entfalteten, welche die Fundamente der Gesellschaft ins Wanken brachte?

Die Musik des 19. Jahrhunderts spiegelt von all dem nur sehr wenig wider. Es ist wie eine Flucht aus der Realität, in die Welt der Vergangenheit, der Phantasie, des Märchens oder die des Traumes. Das lyrische Ich ist in jener Zeit beständig auf der Suche nach „Heimat“ nach Geborgenheit, in einer Welt, die für die meisten ihrer Zeitgenossen fremd geworden war. Die Tonkunst entdeckt für sich die Literatur, die Zauber- und Phantasiewelt des Märchens oder die der Sagen. Es entstand ein reiches Schaffen und ganz neue Klangwelten entwickelten sich zwangslos aus diesen neuen poetischen und metaphysischen Elementen.

Aus diesem reichen Schaffen der Romantik, hat die Amberger Chorgemeinschaft in Kooperation mit der Berufsfachschule für Musik ein hörenswertes Programm zusammengestellt.

W.S. Bennett: Die Waldnymphe
R. Schumann: Nachtlied
J. Brahms: Schicksalslied
F. Mendelssohn-Bartholdy: Die erste Walpurgisnacht

Sonntag, 14.05.2017, 19.00 Uhr, Amberger Congress Centrum (ACC)

Adelheid Lang: Mezzosopran
André Khamasmie: Tenor
Daniel Blumenschein: Bass-Bariton
Amberger Chorgemeinschaft
Chor der Berufsfachschule für Musik
Sinfonieorchester Bohemia, Prag

Leitung: Dieter Müller

Eintrittspreise: Kategorie I € 24,- (ermäßigt € 18,-), Kategorie II € 18,- (ermäßigt € 15,-)

(Einführungstext von der Homepage der Berufsfachschule für Musik des Bezirks Oberpfalz in Sulzbach-Rosenberg)


In der Amberger Zeitung vom 23.04.2017 erschien folgendes Interview mit Chorleiter Dieter Müller (von Marielouise Scharf):

Chorballaden der Romantik

Wenn Mendelssohn Goethe vertont, dann kommt ein rechter Spuk heraus. Warum das die Amberger am Muttertag betrifft, erzählt im Interview ein Dirigent.

Amberg. Felix Mendelssohn hatte nach eigener Aussage „ein besonderes Faible für den Hexenspuk“. Deshalb gelang ihm wohl auch mit der Vertonung von Goethes Ballade „Die erste Walpurgisnacht“ ein herausragendes Meisterwerk für Soli, Chor und Orchester.

100 Sängerinnen und Sänger der Amberger Chorgemeinschaft und des Chors der Berufsfachschule für Musik des Bezirk Oberpfalz, dazu 40 Berufsmusiker vom Sinfonieorchester Bohemia Prag und drei Solisten: Adelheid Lang (Alt) aus Nürnberg, André Khamasmie (Tenor) aus Leipzig und Daniel Blumenschein (Bass-Bariton) aus Leipzig laden zu einem musikalischen Erlebnis. Neben der fantastisch-musikalischen Hexenjagd bringt Ambergs Ausnahmechor am Sonntag, 14. Mai, um 19 Uhr im Amberger Congress Centrum noch weitere Chorballaden der Romantik: das Nachtlied von Robert Schumann und von Johannes Brahms das Schicksalslied. Der musikalische Leiter Dieter Müller beantwortet dazu Fragen.

Schumann, Brahms, Mendelssohn zählen zu den wichtigsten Vertretern der musikalischen Epoche der Romantik. Die Werke dieser Komponisten prägen bis heute das Repertoire. Warum haben Sie sich diesmal gerade der Romantik im Allgemeinen und der Walpurgisnacht im Besonderen verschrieben.

Müller: Ohne die Amberger Aufführungstraditionen zu kennen, könnte ich mir gut vorstellen, dass ein Großteil der Werke (vielleicht sogar alle), die wir gewählt haben, in Amberg noch nicht zur Aufführung kamen. Zudem ist das 19. Jahrhundert ein Zeitalter, das von politischen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Revolutionen geprägt war. Die Tonkunst – im gewissen Sinne als Gegenpol zur Realität – entdeckt in jener Zeit für sich die Literatur, die Zauberwelt des Märchens und die der Sagen.

Was hat das mit der Walpurgisnacht zu tun?

Die Walpurgisnacht, die Nacht vom 30. April zum 1. Mai, geht auf das keltische Beltane-Fest zurück, eine Feier, die ganz im Zeichen der Fruchtbarkeit stand. Dabei entzündeten die Druiden nächtliche Feuer. Es wurde getanzt und gesungen und in überschäumender Lebensfreude der Übergang vom Winter zum Frühling zelebriert. Die Walpurgisnacht kennen wir heute als nächtliches Gelage im Frühling, das auf der mehr oder weniger fantastischen Vorstellung eines Hexensabbats beruht. In den deutschsprachigen Ländern wird sie außerdem historisch und mythologisch auf dem Gipfel des Brockens assoziiert.

Wie hat Mendelssohn die Handlung der Goethe-Ballade musikalisch umgesetzt?

Goethes 1799 geschriebenes Gedicht „Die erste Walpurgisnacht“ hat mit der grotesk-dämonischen Sphäre des Volksglaubens oder gar einer Feier wilder, teuflischer Orgien nichts zu tun. Einer dramatischen Szene ähnlich, wird eine Opferfeier zum Frühlingsbeginn geschildert. Die Druiden treffen hierzu die Vorbereitungen. Einer aus dem Volke warnt vor den gefährlichen Gegnern. Ein Druide jedoch beruhigt das Volk. Es entsteht die rettende Idee, wie man die christlichen Verfolger von der Opferfeier fernhalten kann.

Und wie?

Bewaffnet mit allerlei Gerätschaften zieht man durch die enge Felsenschlucht und inszeniert dabei einen spektakulären Spuk. Diese besondere Art der psychologischen Kriegsführung funktioniert bestens: Erschreckt von dem scheinbar grauenerregenden Anblick fliehen die christlichen Wächter unter Angstgeschrei. Ein feierlicher Schlusshymnus der Druiden beschließt das Werk.

Wie setzt Mendelssohn das musikalisch um?

Mendelssohn hat den ganzen Reichtum der romantischen Oper in dieser musikalischen Illustration vereint. Die verschiedenen Stimmungen des Gedichts musikalisch in allen Nuancen fein ausgelotet und umgesetzt. Die Schilderungen sind vielfarbig und lebendig, immer meisterhaft differenziert in Melodieführung, Klangfarbe, Instrumentation und Harmonisierung. Der Chor der Druiden ist von einem Einfallsreichtum, den erst der späte Verdi im letzten Akt seines Falstaffs wieder erreicht.

Sie haben eine sehr anspruchsvolle Programmauswahl getroffen. Wie schafft der Chor die künstlerische Umsetzung?

Wir proben mit Unterbrechungen (Weihnachts- und Silvesterkonzerte) seit September 2016 in der Regel wöchentlich. Mit der Auswahl wollten wir eine Alternative zu geistlichen Konzerten anbieten und das Interesse der Amberger Musikfreunde auch einmal darauf lenken und neugierig machen auf guten, geschulten Chorgesang, der für das Gelingen einer derartigen Darbietung von unbedingter Notwendigkeit ist. Unser Wunsch: durch den Interpretations- und Qualitätsanspruch ein volles ACC!

Warum haben Sie das Datum Muttertag gewählt?

Hierbei galt es pragmatisch zu sein: einmal sollte das Konzert nicht mit anderen Veranstaltungen kollidieren außerdem wollten wir das Thema Walpurgisnacht zeitnah am Maianfang haben und wir sehen das Konzert für die ganze Familie und warum nicht als Muttertags-Geschenkidee, zusätzlich zu einem Blumenstrauß?

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Kartenvorverkauf: Tourist Information, Hallplatz 2, 92224 Amberg, Tel. 09621/10239